Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde!

Wir möchten Sie über die aktuelle Lage in Aleppo und Nord-West-Syrien (N-W-S) sowie über unsere Spendenaktivitäten informieren.

Seit dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 hat sich die politische Lage in Aleppo und in N-W-S grundlegend geändert: Der Krieg ist in großen Teilen Syriens zu Ende gegangen. Die letzten gewaltsamen Auseinandersetzungen, die zugleich das bis dahin größte bestehende Konfliktfeld darstellten, fanden Ende 2025 und Anfang 2026 zwischen den syrischen Regierungskräften und den militärischen Kräften der kurdischen Autonomiebehörden im Nordosten Syriens und in Aleppo statt. Der Konflikt ist entschärft, sodass sich die Menschen in Syrien nun erst einmal auf eine friedliche Zeit einstellen können. Der syrische Staat befindet sich in einem großen Umbau- und Aufbauprozess. Es wird viele Jahre dauern, bis sich eine kontinuierliche und dauerhafte politische und wirtschaftliche Stabilität einstellt. Dass es noch nicht so weit ist, zeigt sich insbesondere in der großen Armut, von der weite Teile der Bevölkerung betroffen sind. Im Bericht des Deutschen Roten Kreuzes von Dezember 2025 heißt es: „90 % der Syrerinnen und Syrer leben in Armut. Zwei Drittel davon leben in extremer Armut.“ Noch immer gibt es nicht genügend Arbeit für alle. Wenn es Arbeit gibt, reicht das Einkommen kaum aus, um sich und seine Familie davon ernähren zu können. Die Lebensmittelpreise entsprechen zum Teil den deutschen Preisen, während das Einkommen nur ein Zehntel dessen beträgt. Die Infrastruktur, beispielsweise in den Bereichen Wasser, Strom, Gesundheits- und Bildungswesen, ist durch den langjährigen Krieg beschädigt. Immer wieder höre ich Stimmen, die sagen: „Es wird noch viele Jahre dauern, bis Syrien wieder so ist, wie es einmal war. Bis jetzt wissen wir nicht, wovon wir leben können. Zu vieles ist zerstört, unsere bisherigen Lebensgrundlagen bestehen nicht mehr.“ So ist es nicht verwunderlich, dass viele meiner syrischen Verwandten und Bekannten im Ausland mit einer Rückkehr nach Syrien warten und sagen: „Wir beobachten die Entwicklungen in Syrien. Wir kehren erst dann zurück, wenn sich eine wirtschaftliche und politische Sicherheit für uns ergibt. Wenn wir jetzt zurückkehren würden, wüssten wir nicht, wovon wir leben sollten.“ Viele haben durch den Krieg alles verloren. Geliebte Menschen, Arbeit, Wohnung oder Haus. Hinzu kommt, dass sich bereits sehr viele Familien in ihrer neuen Heimat im Ausland ein neues Leben aufgebaut haben und nur ungern einen erneuten Wechsel in Kauf nehmen würden.

Unsere Hilfe für Aleppo und Nord-West-Syrien geht weiter. Wir bedanken uns aufrichtig bei allen Spendern, die die bedürftigen Menschen in Syrien über all die Jahre durch ihre Spenden unterstützt haben und weiterhin unterstützen.

Aufgrund der zurückgehenden Spendeneingänge mussten wir unsere Spendenübermittlungen in den letzten Monaten schrittweise reduzieren. Vor einem Jahr konnten wir noch monatlich zwischen 3.500 € und 4.000 € übermitteln. Von Oktober 2025 bis März 2026 waren es 3.000 € pro Monat. Seit April dieses Jahres sind es 2.000 € pro Monat. Dadurch hat sich auch die Zahl der zu unterstützenden Familien reduziert.

Bis Oktober 2025 waren es monatlich ca. 250 Familien, danach konnten bis März 2026 noch ca. 180 Familien in Aleppo vom Verein unterstützt werden. Ab April werden es weniger. Unterstützt werden sollen weiterhin vor allem Witwen mit oder ohne Kinder, besonders bedürftige Familien und kranke Menschen. Aufgrund der wirtschaftlichen Armut ist eine angemessene gesundheitliche Versorgung für viele Menschen zu einem Luxusgut geworden. Zwar gibt es eine rudimentäre kostenfreie Krankenhausversorgung durch den Staat, jedoch müssen viele zusätzliche Leistungen privat bezahlt werden. Dazu zählen beispielsweise Labortests, Röntgenaufnahmen, Medikamente, Physiotherapie und Nachsorge. Die Menschen gehen nur ungern in staatliche Kliniken. Die vorherrschende Meinung dazu ist: „Wer in ein staatliches Krankenhaus geht, kommt kränker heraus als vorher.“ Wer Geld hat, leistet sich private Kliniken und gute Ärzte. Es kommt nicht selten vor, dass ein kranker Familienvater sein wenig Geld erst einmal dafür verwendet, seine Familie zu ernähren, statt es für eine ärztliche Behandlung auszugeben. So ist es nicht verwunderlich, dass Krankheiten zunehmen und nicht behandelt werden, wie ich beobachtet habe.

Wie im Reisebericht von September 2025 bereits mitgeteilt, lebt in Nord-West-Syrien, dem ehemaligen Rebellengebiet, immer noch knapp die Hälfte der Binnenflüchtlinge. Eine Rückkehr in ihre Dörfer und Städte ist für viele nicht möglich, da ihre Wohnungen entweder zerstört sind oder sie dort keine Lebensgrundlagen haben. Es wird wohl noch einige Jahre dauern, bis die letzten Binnenflüchtlinge in ihr ehemaliges Leben zurückkehren können – sofern sie sich nicht bereits langfristig in den Lagern niedergelassen haben und Möglichkeiten gefunden haben, ihr Leben zu sichern. Im letzten Winter konnte der Verein über seine Helfer vor Ort 661 Säcke Heizkohle à 25 kg verteilen. Damit konnten 158 Familien der Binnenflüchtlinge dabei unterstützt werden, ihre Unterkünfte zu beheizen.

Hier sehen Sie zwei kleine Videos der letzten Heizkohlenverteilung im Januar dieses Jahres. unser Kontaktmann Abdel Fatah spricht im Hintergrund auf Arabisch:

„Schau hier wohnen die Leute. Hier verteilen wir Heizkohle. Diesen Winter hatten wir vier bis fünf Grad unter null……“

„Gott helfe den Menschen. Die Menschen stürmen auf unser Auto……“

Soweit es unsere Mittel erlauben, werden wir den bedürftigen Menschen in Aleppo und Nord-West-Syrien weiterhin helfen. Viele Menschen sind auf Hilfe angewiesen.

Wir möchten uns herzlich für Ihre Anteilnahme und Ihr Interesse am Leben der Menschen in Syrien bedanken und hoffen, ihnen noch eine Weile beim Übergang in ein würdiges und friedliches Leben zur Seite stehen zu können.

Wir wünschen Ihnen alles Gute, Glück und Gesundheit. Und Frieden für die ganze Welt.

Mit besten Grüßen
Mouna Sabbagh, im Namen des Vereins